“Nenn es Sehnsucht, die Welt zu verstehen” – Ein Interview mit @Juchtenkaeferl
Twitterhuder Abendblatt: Hallo, Christina. Kannst Du mal kurz erzählen, wie Du auf Twitter gelandet bist?
@Juchtenkaeferl: Mein erster Tweet ist ungefähr ein halbes Jahr her. Zuvor hatte ich durch einen Artikel in der Zeitschrift DAS MAGAZIN einen Artikel über Twitter gelesen. Der Name war mir damals zwar ein Begriff, aber ich konnte nichts damit anfangen. In dem Artikel wurden Tweets zitiert, die Funktion von Twitter etwas erklärt, da dachte ich: Klingt ja ganz witzig, das guckste dir mal an. Spontan verliebt und hängen geblieben.
Twitterhuder Abendblatt: Wie lange hat es denn gedauert, bis es “Klick” gemacht hat? Gab es irgendein Aha-Erlebnis?
@Juchtenkaeferl: Ja, gab es. Sogar zwei. Das erste „Aha“-Erlebnis war nach wenigen Tagen ein Retweet von @vonFriedland mit einer anschließenden Folgeempfehlung – der brachte mir damals mit einem Schlag um die 20 Neufollower. Somit hatte sich nicht nur die Zahl meiner Follower verdoppelt, sondern es gab, und das ist das wichtige, erste echte Leser und Reaktionen. Zuvor waren mir nur Bots gefolgt, da zweifelst du natürlich am Sinn von Twitter, du sprichst ja praktisch gegen eine Wand. Ab dem Zeitpunkt habe ich dann gemerkt: Hey, du schreibst gar nicht immer ins Leere, so könnte es klappen und sogar Spaß machen! Wenn du wirklich gelesen wirst, dann kannst Du auch ruhig noch ein bisschen weitertwittern. Der zweite „Klick“ war dann nach und nach die Entdeckung von Twitterern, die mich sprachlos gemacht haben durch die Schönheit ihrer Tweets.
Twitterhuder Abendblatt: Grundsätzlich: Warum twitterst Du?
@Juchtenkaeferl: Es ist eine Art Antitrott für mich – in sich konstant und doch anders als „Alltag“. Äußerungen sind oft sehr kalkuliert, zudem limitiert. Antrieb ist ein innerer Drang, nenn es Sehnsucht, die Welt zu verstehen, indem ich mich ihr indirekt aussetze und fremden Menschen folge, und auch mal in andere Rollen schlüpfe, um nicht im eigenen Ich-Loch zu versinken. Mir geht es dabei darum, mich selbst ein bisschen auszuschütten.
Wahrheiten bei Twitter sind oft simpel, 140 Zeichen reichen auch vollkommen aus für meinen Blödsinn, und das Schöne: sie können jeden Tag neu formuliert werden. Ich habe keinen besonders hohen Anspruch, was Twitter anbelangt. An manchen Sätzen feile ich ein bisschen, und wenn ein Gedanke honoriert wird, fühle ich mich gerne auch mal für einen Moment weniger blöd damit, dafür ein bisschen weise und erhaben. Ich darf mich bei Twitter selbst verrechnen und wieder korrigieren. Es ist ein schöner Zeitvertreib, und vielleicht, bevor ich am Ende wirklich noch weise und erhaben werde, lerne ich ja etwas dabei, schließlich folge ich vielen Menschen.
Twitterhuder Abendblatt: Deine Tweets sind zum Teil ziemlich populär. Wie nimmst Du Favstar allgemein wahr und beeinflusst es auch die Art, wie Du schreibst?
@Juchtenkaeferl: Favstar beeinflusst Twitter. Punkt. Sprache ist sexy, da geht nix drüber, aber das Bedürfnis, sprachlich und inhaltlich attraktiv zu wirken, bei der Masse anzukommen und somit auch auf Favstar zu reüssieren, ist auf Dauer anstrengend. Wenn du jedem Gefühl oder Gedanken ein hübsches Kleid anziehen wolltest, wäre die Klamotte bald der Fokus, nicht das Herz oder der Kopf, wo Gefühle und Gedanken ja geboren werden – und zwar nackig. Ich mag mich nicht ständig verbal herausputzen, das wäre mir fremd. Wenn ich mich doch mal dabei erwische, wie ich zu lange an einem Satz rumfummle oder darauf warte, wie ein Tweet ankommt, erscheint mir das Gerangel um jene verbalattribut-gesteuerte Aufmerksamkeit regelrecht ungehörig. Ich verdiene hier nicht mein Geld, sondern twittere zum Vergnügen. Es wäre mir auch lästig, immer neuen Aufwand betreiben zu müssen, um dauerhaft irgendwelchen Ansprüchen zu genügen, die ich womöglich mal selbst angefüttert habe. Kalkulierte Geschäftigkeit und perverses Konkurrenzdenken müssen nicht auch noch ins Private drängen, das entwürdigt.
Anerkennung ist das eine, Menschen, die etwas von sich preisgeben, das andere, und letzteres hat für mich hier einen deutlich höheren Stellenwert, schließlich gehen wir im Idealfall nicht mit leeren Augen durch die Welt, sondern mit den eigenen. Insofern ist der ideale Mensch schon irgendwo das Kind, das einfach macht, ohne sich ständig dabei zu hinterfragen, es vertraut seiner Intuition. Mein Twitteraccount ist oft sehr persönlich, umgekehrt fave ich hauptsächlich persönliche Tweets und jene Twitterer, die sprachlich was ganz eigenes machen, die einen erkennbaren Stil haben, ganz unabhängig von der Anzahl ihrer Follower. Ich fände es unerträglich arrogant und langweilig, der Sterne wegen zu twittern, aber ich freue mich, wenn meine Gedanken bei anderen etwas auslösen, sonst könnte ich ja auch alles meinem Tagebuch anvertrauen.
Twitterhuder Abendblatt: Gibt es denn einen roten Faden in Deinen Tweets? Thematisch?
@Juchtenkaeferl: Twitter ist in sich recht vielfältig und assoziationsfreudig. Es ist wie ein Skizzenbuch des Lebens, und jeder kritzelt seine Sicht der Dinge rein, wann immer er mag. Ich twittere, was mir in den Sinn kommt, oft unausgegoren, ohne thematischen Zusammenhang. Witzig kann ich nicht so gut. Aber ich kann rumschnoddern, und es kommt mir nie unangebracht vor, aufzuzählen, was ich vermisse – ist ja eh gleich vorbei. Twitter hüllt mich in Naivität. Twitterer sind alterslos, sie kommen alleine klar, brauchen aber ständig jemanden, dem sie mitteilen können, wie. Selbstironie gehört hier zur sozialen Anatomie, was ich sehr sympathisch finde. Die Timeline ist der ganz persönliche Dauerbastelbogen. Es ist ja auch eine konfuse Gesellschaft, die dir suggeriert, überall dabei sein zu können, und die dir im selben Atemzug doch ein echtes Ankommen verwehrt. So funktioniert auch Twitter, ständig in Bewegung. Es hat eine Aura, die zugleich anzieht und ankotzt. Das Prinzip „Hier bin ich, und alle sollen es wissen“ treibt ganz wunderliche Blüten, zuweilen artet diese Ich-Beschau ganz schön aus, auch bei mir.
Twitterhuder Abendblatt: Du folgst selbst knapp 500 anderen Accounts. Wie siehst Du das: Ist das zu viel, zu wenig, genau richtig? Wie viel liest Du davon?
@Juchtenkaeferl: Klar sind 500 zu viel, um wirklich alle zu lesen, zumal ich selten entfolge, weil ich mich schwer damit tue. Ich habe meine liebsten Accounts gelistet, aber selbst Listen lese ich selten und fast nie nachträglich. Es bereitet mir regelmäßig ein schlechtes Gewissen, weil ich dadurch auch wenig mitbekomme. Einige wenige Twitterer lese ich aber separat in ihrer Timeline oder bei Favstar nach. Meist sind das jene, die mich literarisch ansprechen, und ich lese sie in ganz bestimmten Stimmungen, weil sie mir gut tun wie ein Buch. Wenn ich gerade selbst was twittere, freue ich mich aber über meine lebendige Timeline, und dann lese ich gerne mal ein paar Minuten quer.
Twitterhuder Abendblatt: Und noch etwas, das mir auffällt: Konversationen kommen auf Deinem Account nicht wirklich vor. Woran liegt das? Sind die Tweets selbst schon die Konversation? Schreibst Du einfach nur für Dich selbst?
@Juchtenkaeferl: Ich schreibe hauptsächlich für mich selbst. Es stillt mein Bedürfnis, woanders zu sein, mich dabei aber nicht vom Fleck bewegen zu müssen, jemand anders darzustellen, dabei aber keine Mühe aufbringen zu müssen, wirklich was zu verändern. Im Alltag plagt einen diese Schizophrenie oft, Freunde, Partner und Kollegen lassen sich aber nicht ganz so leicht bei jedem Unbehagen austauschen. Das Netz bietet da recht uneingeschränkte Fluktuationsmöglichkeiten. Die Timeline ist so ein kleiner Nichtort, ein Utopia, aus dem mich rausschmeißen kann, wer will, und umgekehrt, das beruhigt. Dabei träume ich eigentlich von einem Ort, an dem Menschen in Beständigkeit Schönheit finden. Vielleicht fällt es mir deshalb auch so schwer, an meiner Timeline rumzubasteln. Schlussendlich halte ich Twitter für eine durchschnittliche Plattform mit zum Teil außergewöhnlichen Menschen, aber das trifft wohl auch auf andere Netzwerke und das Leben im Allgemeinen zu. Ich kann mich durch das Twittern – eine Art Selbstmanipulation und Boulevardisierung meiner Persönlichkeit – selbst besser ertragen.
Kommuniziert wird durchaus auf meinem Account, aber nicht exzessiv, das ist mir unangenehm. Mein innerer Persönlichkeitsscanner sucht immer nach adäquaten Gesprächspartnern, auch hier, obwohl ich wenig Mentions schreibe. Es ist immer laut und zappelig auf Twitter, wie in einer Jugendherberge voller Pubertierender, da hätte ich gar nicht die Ruhe für eine längere Unterhaltung. Ich mag zudem nicht durch Nervigkeit auffallen, bin in persona eher zurückhaltend. Kommunikation läuft aber auch indirekter. Irgendwo zwischen Fav, Reply, Pokal und einem Follower, der dich womöglich sogar mit Interesse liest, sitzt manchmal einfach der Trost. Feedback lässt eigene Gedanken deutlicher hervortreten, sie gewinnen an Körperlichkeit. Reaktionen kratzen an der sterilen Ich-Verpackung und sind gleichzeitig Kompresse für manche Wunde.
Twitterhuder Abendblatt: Was machst Du sonst so im Netz? Facebook, Tumblr, irgendwas anderes? Und kannst Du das mal in Beziehung zu Twitter setzen aus Deiner eigenen, subjektiven Sicht?
@Juchtenkaeferl: Twitter ist das einzige soziale Netzwerk, das ich nutze. Ich habe in naher Zukunft nicht vor, das zu ändern. Zuvor hatte ich Sorge, nach erfolgter Anmeldung zu viel Zeit in sozialen Netzwerken zu verbringen, was ja angesichts meiner Twittererfahrung nicht ganz unbegründet war. Mein Freund, der nicht twittert, beschwert sich ab und an darüber, dass ich Twitter zu viel Aufmerksamkeit widme. Also wird es Zeit, ein bisschen auf die Bremse zu gehen. Ansonsten würde mich ein Blog reizen, um ausführlicher zu werden, aber ich weiß, dass ich derzeit zu undiszipliniert für die Regelmäßigkeit an Eintragungen wäre, die selbiger wohl verlangt. Also warte ich noch damit, bis sich genau das geändert hat, sonst gäbe es wohl eine rasche Bruchlandung, und ich würde es womöglich nie wieder versuchen.
Twitterhuder Abendblatt: Traditionelle Schlussfrage: Was würdest Du Dich selbst gerne zu Twitter und dem Schreiben fragen? Und was wäre die Antwort?
@Juchtenkaeferl: Ich frage mich oft, ob mehr Follower nun Fluch oder Segen sind, und was eigentlich bleibt, wenn man all das mal ausblendet. Nun, manchmal macht Gelegenheit eine Menge Dummheit. Schnell wird aus dem ganzen Favstar- und Followerzahl-Blödsinn ein Reigen aus Eitelkeit, Peinlichkeit, Selbstüberschätzung und der unvermeidlichen Frage: Was hat er/sie, was ich nicht habe? Der Versuch, sich anderen anzunähern, entfernt dich immer von dir, und das ist scheiße. Einige hier wirken authentisch, andere jonglieren ganz unbefangen mit Fiktion – beides ist schön, nur Nachmacher langweilen. Twitter soll mir Freude machen. Da ich hier primär produziere, weniger konsumiere, geht das nur, wenn ich schreibe, was ich mag, nicht, was andere mögen könnten. Ich möchte Twitter aber auch nicht auf das rein Persönliche reduzieren, das würde angesichts der 140 Zeichen-Beschränkung wohl auch recht konturlos. Zu viel liegt mir an denen, die hier echt was probieren, die wirklich schreiben und ihren ganz eigenen Stil finden, als dass ich selbst nur darüber twittern möchte, was ich gerade so esse. Meine halbseidenen Sätze und 140-Zeichen-Wendungen sind aber oft nichts anderes als das Ergebnis meines kindischen Mitteilungsdrangs, und im Glücksfall gelingt es, selbst das mal sein zu lassen und den Trost der Sterne als entbehrlich zu erachten. Twitter, so komisch es klingen mag, hat mir eines auch schnell klar gemacht: Ich kann die Schnauze halten, die Timeline läuft trotzdem weiter, ich kann mich daran erfreuen, und es ist okay.
Twitterhuder Abendblatt: Vielen Dank für das Interview <3.
15. May 2012 Leave a comment
Fünf Twitterer, ein Stichwort: Follower.
„Ein erfolgreicher Twitterer sagte mir einmal: „Ab 8000 Followern wird es gefährlich.’ Gemeint war die Grenze, ab welcher sich alles verselbständigen würde. Die Menschen vor den Monitoren und Smartphone-Displays würden nicht mehr unterscheiden können zwischen Spaß, Ironie und Zynismus auf der einen Seite und Ernsthaftigkeit auf der anderen Seite. Das ist das Problem: Je mehr Menschen sich für das interessieren, was man da täglich an Mikrowelten von sich gibt, desto mehr können auch das Allerschlimmste hineininterpretieren. Seither habe ich Angst vor einem Mob unbekannter Variablen. Wir wollen doch auf Twitter alle nur Alltag verarbeiten, im günstigsten Fall nette Menschen kennenlernen und vielleicht erfahren, dass der eine oder andere im Grunde vollkommen fremde Mensch da draußen ähnlich fühlt. Denn Follower machen Twitter erst spannend. Ohne sie wäre alles wie ein Gespräch mit der Zimmerdecke: Meistens ist es ganz angenehm, wenn niemand reagiert und widerspricht. Aber manchmal ist es gut zu wissen, dass da jemand ist, der zuhört und aufpasst.“
„Ohne Follower ist Twitter sinnlos, dann könnte man seine kruden Gedanken auch weiterhin der Katze erzählen. Ab einer gewissen Anzahl von Followern stellen sich außer den verzweifelten Verkäufern von Glücksratgebern echte Menschen ein, mit denen sich kommunizieren lässt. Das kann ein freundlicher Gedankenaustausch sein oder ein Schlagabtausch. Gerüchtehalber soll es mitunter zum Austausch von Körperflüssigkeiten oder gar Eheringen kommen. Manchmal findet man Seelenverwandte und tauscht gefühlvolle Direktnachrichten, manchmal reißt sich ein Psychopath die Maske vom Gesicht und es fallen justitiable Worte. Von seinen Followern bekommt man Geburtstagsgrüße und Gute-Nacht-Lieder, man hat immer jemanden, der einem die Pointe erklärt und bekommt Antworten auf rhetorische Fragen. Insgesamt ist das alles verdammt schön. Außer man denkt zu viel über das positive Wachstum der Followerzahl nach. Dann bekommt man Entfolgungswahn, eine von der Berufsgenossenschaft anerkannte Twittererkrankheit. Wenn man einen guten Chirurgen findet, kann man sich die vereiterte Hybris entfernen lassen.“
„Follower. Eigentlich eine Frechheit, Menschen beziehungsweise ihre Internetableger so abzuqualifizieren. Andererseits – was soll’s! Es klingt herrlich herablassend und fast als würde man über ein Haustier reden, wenn man sag „Einer meiner Follower hat neulich…“. Praktisch auch, dass Einzahl und Mehrzahl die gleiche Form haben, da gerät man nicht so leicht in die Gefahr, Follower als Individuen zu betrachten. In ihrer Masse gleichen sie einer digitalen Gnu-Herde, die durch die Gegend grasen, immer auf der Suche nach dem nächsten Wasserloch, das für eine Zeit unterhaltsam ist und Labsal in der Ödnis bzw. verwirrenden Vielfalt des Internets bietet. Hinterlassen wird dann entweder ein Haufen Sterne, Likes oder +1 – oder ein Shitstorm, in dem undifferenziert einfach mal mitgemacht wird. Da wird eifrig zum Mitmachen, Zeichnen, Weiterleiten und Reporten aufgerufen, dass es dem Pastor in der Sonntagspredigt ganz Angst und Bange werden muss bei so viel Gutmenschentum und Engagement. Der Follower an und für sich wird durch die Schwarmintelligenz geleitet, was es ihm auch ermöglicht, sich fortzupflanzen und zu vermehren. Das geschieht in der Regel so wie bei Fischen, indem Weibchen Eier ins Wasser legen und die Männchen dann ihren Samen drübergießen, d.h. hübschen Bildchen wird schnell ein Reply geschickt.
Zum Glück bin ich tierlieb.“
„Innerhalb meiner kurzen Zeit bei Twitter ist eins ganz fix klargeworden: Wenn du nicht privat für Freunde twitterst, brauchst du Follower, sonst wirfst du das Handtuch, bevor der Spaß richtig anfangen kann. Ich twittere ja, um eine Resonanz zu bekommen, um gelesen zu werden, um zu kommunizieren. Die ersten Tage lief es schleppend, nur Bots, wenige echte Follower. Ich habe viel gelesen, selten geschrieben. Nach einigen Tweets dann der Mention eines bekannteren Twitterers, und plötzlich hatte ich die ersten Menschen hinter den Icons in meiner Followerliste, das war famos, meine TL fing an zu atmen!
Schön ist, dass gerade diese ersten Follower mir treu bleiben. Den Kontakt zu ihnen schätze ich auch deshalb, weil er unbefangen ist, keine Erwartungshaltung, kein Druck. Inzwischen hat sich dank mehrerer Mentions und RTs anderer Twitterer meine Followerzahl erhöht. Ich freue mich über echte Follower und bin durchaus enttäuscht, wenn jemand wieder abspringt, empfinde es aber als konsequent und folge selbst auch nach Geschmack. Ob bei 10, 100 oder mehr Followern: Ich twittere einen Teil meiner Persönlichkeit, und das Ergebnis sagt selbstredend nicht jedem zu. Ich kann nichts daran ändern, nur um Follower zu halten.“
„Die Gefährten, das Fußvolk, die kritische Masse, der ausgelagerte, vertausendfachte innere Nörgler – es ist egal, wie man sie nennt, sie sind da. Und sie beobachten dich.
Je mehr, desto besser, ist wohl eine der verinnerlichten Regeln des Twitter-Fightclubs, der unter dem Decknamen Favstar-Mafia agiert. Denkt man jedenfalls, bis man selbst mehr als 300 hat und die dummen Replies, die platten Balzversuche und das aggressive Unverständnis, das einem tagtäglich entgegenbrandet, noch längst kein Plateau erreicht haben. Klar, warum sollte so ein diverser Mob, der dir Tag und Nacht hinterherrennt, nicht anstrengend sein? Und warum sollte er nicht, zu einem gewissen Grad zumindest, die Blödheit, Ignoranz und anstrengenden Kommunikationsgewohnheiten ins Internet zerren, die ihn auch im echten Leben auszeichnen? Einzelne Menschen sind toll, viele sind anstrengend und im Internet trifft oft beides gleichzeitig zu.
Es sind eben auch nur bzw. VOR ALLEM Menschen. Und die sind da, ohne physisch anwesend sein zu müssen, und sie äußern sich. Sie empören sich, sie motzen, sie fühlen aber auch mit und sind bei dir, obwohl du sie nicht aufgefordert hast und sie helfen dir, wenn du es brauchst. Und das ist, was das Internet trotz der ganzen Idioten so schön macht. Die gibt es nun mal immer und überall, was keinen ernsthaft wundert, aber die anderen sind die, die verblüffen.
Sie verbreiten Aufrufe/Fragen weiter wie bescheuerte Duracell-Häschen, bieten Hilfe an und fragen von sich aus, was sie für Dich tun können. Ob du gerade Lust darauf hast oder nicht. Nicht alle sind immer hilfreich, aber oft sind sie unglaublich selbstlos. Gibt es eine purere Form von Altruismus als jemandem zu helfen, den du kaum kennst, von dem du dir nichts erwartest und der dir höchstwahrscheinlich auch nichts zurückgeben wird (bzw. kann) außer Dankbarkeit? Ist es nicht eine wunderschöne Geste, jemandem etwas von seiner Amazon-Wunschliste zu kaufen und bewusst anonym zu bleiben?
Das Bedeutende sind für mich nicht die Hilfe, die Tipps und die kleinen Aufmerksamkeiten selbst, sondern die Hilfsbereitschaft, dieses reine für andere da sein, die das soziale Netz zu einem prosozialen Zusammenschluss machen, wobei die einzelnen Verbindungen weder robust noch überdauernd sein müssen, damit das Ganze funktioniert und jeder davon profitiert. Und ja, das klingt jetzt leider so, als würde ich Menschen mögen. Besonders die im Netz. Behaltet das bitte für euch.“
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Ebenfalls kleiner Drei:
Fünf Twitterer, ein Stichwort: Retweet.
16. November 2011 Leave a comment






